Wer war eigentlich ...? Bedeutende Persönlichkeiten der Geschichte

Wer war eigentlich ...? Gerhart Baum

Steckbrief

Biografie und Leben

Gerhart Baum Bild

Frühe Jahre, Beruf und Privates

Gerhart Rudolf Baum wurde am 28. Oktober 1932 in Dresden geboren. Er stammt aus einer bildungsbürgerlichen Familie mit tiefen juristischen Wurzeln. Sein Großvater sowie sein Vater waren beide Rechtsanwälte. Die Familie stand dem NS-Regime kritisch gegenüber. Nach der Zerstörung Dresdens im Zweiten Weltkrieg floh die Familie nach Westdeutschland, wo Baum später in Köln aufwuchs und das Abitur machte. Er studierte Rechtswissenschaften an der Universität zu Köln.

Politische Karriere

Gerhart Baum trat 1954 der Freien Demokratischen Partei (FDP) bei und spielte schnell eine aktive Rolle, insbesondere bei den Jungdemokraten, der Jugendorganisation der FDP. Er setzte sich stark für die Durchsetzung der Grundrechte und eine progressive Deutschland- und Ostpolitik ein. Baum war von 1966 bis 1968 Bundesvorsitzender der Jungdemokraten. Seine politischen Ansichten und sein Engagement brachten ihn in Positionen, in denen er maßgeblichen Einfluss auf die politische Ausrichtung seiner Partei und auf die deutsche Innenpolitik hatte.

Im Jahr 1972 begann Baum seine Karriere auf Bundesebene, als er als Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister des Innern unter Hans-Dietrich Genscher tätig wurde. Seine Fähigkeiten und sein Engagement für liberale Werte führten dazu, dass er 1978 als Nachfolger von Werner Maihofer zum Bundesinnenminister ernannt wurde. Während seiner Amtszeit setzte er sich für eine Liberalisierung des Radikalenerlasses ein und war bekannt für seine moderaten Ansichten zu Sicherheitsgesetzen, die die Bürgerrechte schützen.

Baum war besonders während der terroristischen Bedrohungen durch die RAF in den 1970er Jahren aktiv und suchte den Dialog mit der linken Szene, um ein besseres Verständnis und Lösungen im Kampf gegen den Terrorismus zu fördern. Seine Amtszeit als Innenminister ist auch für die Einführung der Sommerzeit in Deutschland im Jahr 1980 bekannt. Sein Ansatz war oft geprägt von dem Versuch, einen Ausgleich zwischen Sicherheit und Bürgerrechten zu finden, was ihm Respekt in verschiedenen politischen Lagern einbrachte.

Nach dem Bruch der sozialliberalen Koalition 1982 und dem darauffolgenden Rücktritt der FDP-Minister aus der Regierung, kritisierte Baum den Wechsel zur CDU/CSU und blieb seiner Linie treu, die sich für eine sozialliberale Ausrichtung der FDP aussprach. Auch nach seinem Ausscheiden aus der aktiven Politik blieb Baum ein engagierter Verfechter der Bürgerrechte und setzte sich weiterhin für Datenschutz, Menschenrechte und gegen staatliche Überwachung ein.

Sein politisches Wirken, besonders in schwierigen Zeiten, hat Gerhart Baum zu einer Schlüsselfigur in der deutschen Innenpolitik und einem bedeutenden Vertreter der liberalen Werte gemacht. Sein Engagement für Menschenrechte und sein Einsatz für politische Freiheiten prägten seine Karriere und sein öffentliches Image als Verteidiger der Demokratie.

Verfassungsbeschwerden und Rechtsanwalt

Nach seiner politischen Karriere kehrte Baum in die Rechtsanwaltschaft zurück und war in mehreren bedeutenden Fällen als Anwalt tätig, darunter die Vertretung von Opfern großer Katastrophen und Unglücke. Er legte mehrere Verfassungsbeschwerden ein, die zu wichtigen Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts führten.

Kulturelles und weiteres Engagement

Baum war auch kulturell sehr engagiert und unterstützte verschiedene Initiativen. Er war Vorsitzender des Kulturrats Nordrhein-Westfalen und setzte sich stark für die Künste ein. Sein Engagement umfasste auch internationale Aufgaben, darunter die Arbeit für die Menschenrechte bei den Vereinten Nationen.

Auszeichnungen und Ehrungen

Baum wurde mehrfach für sein Lebenswerk und sein Engagement in Politik und Gesellschaft ausgezeichnet, darunter das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland. Sein Wirken wurde sowohl national als auch international anerkannt.

Privatleben und Vermächtnis

Baum war zweimal verheiratet und hinterlässt drei Kinder. Er lebte in Köln und Berlin und blieb bis zu seinem Tod im Februar 2025 aktiv in öffentlichen Diskussionen und politischen Angelegenheiten.


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